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Nachdem das Sozialministerium Baden-Württemberg im April 2010 seine restriktive Haltung zu Testkäufen modifiziert hat, war es für die Stadt Karlsruhe, das Landratsamt und die Karlsruher Polizei nahezu selbstverständlich, Testkäufe als weiteres Modul der präventiven Bemühungen um einen bestmöglichen Jugendschutz zu installieren. Sehr bald war ein gemeinsames Konzept erarbeitet, das die engen Voraussetzungen des Ministeriums berücksichtigte. Als schließlich ausreichend 16- und 17-jährige Jugendliche gefunden und auf ihre Tätigkeit vorbereitet waren, stand den ersten Testkaufaktionen nichts mehr im Wege.
Insgesamt kam es, beginnend im Juli, zu acht Aktionen im Jahr 2011, auf die nachfolgend zurückgeblickt werden soll.
Ergebnisse:
Freitag, 08.07.2011, Stadtgebiet Karlsruhe
13 Betriebe (davon 3 Tankstellen) - in 5 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Eingesetzt waren ein Team mit zwei Mädchen und ein Team mit zwei Jungen.
Freitag, 22.07.2011, Forst
12 Betriebe - in 9 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Zwei Teams waren eingesetzt.
Freitag, 29.07.2011, Bruchsal
14 Betriebe - in 9 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Zwei Teams waren eingesetzt.
Freitag, 30.09.2011, Stadtgebiet Karlsruhe
5 Betriebe - in drei Fällen wurde verbotswidrig verkauft. Eingesetzt war ein Team aus zwei Mädchen und einem Jungen. In zwei der drei Fälle handelte es sich um Wiederholungsfälle (ein Einkaufsmarkt, eine Tankstelle - hier sogar durch die gleiche Verkäuferin). Begleitet wurde die Aktion durch die Presse sowie durch Bürgermeister Jäger und Dr. Weiße von der Stadt Karlsruhe.
Freitag, 31.10.2011, Östringen
12 Betriebe - trotz (unbeabsichtigter) vorheriger Ankündigung in der Zeitung wurde dennoch in 5 Betrieben gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen. Eingesetzt waren zwei Teams.
Freitag, 04.11 2011, Stutensee
14 Betriebe - in 10 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Zwei Teams waren eingesetzt.
Freitag, 25.11 2011, Pfinztal
12 Betriebe - in 10 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Zwei Teams waren eingesetzt.
Freitag, 02.12 2011, Karlsruhe
19 Betriebe - in 14 davon wurden branntweinhaltiger Alkohol und Tabakwaren verkauft. Zwei Teams waren eingesetzt. Unter den 19 Betrieben befanden sich 15 Verkaufsstände auf Weihnachtsmärkten. In 12 dieser Betriebe wurde verbotswidrig „Glühwein mit Schuss“ an die Testkäufer abgegeben.
Fazit:
Die Ergebnisse (101 Betriebe, davon 65 mit Verstößen, also in 64,4 % der Fälle; in der Stadt Karlsruhe 37 Betriebe, davon 22 mit Verstößen, also 59,5 % und im Landkreis Karlsruhe 64 Betriebe, davon 43 mit Verstößen, also 67,2%) waren erschreckend und belegen wie wichtig es ist, diesen zusätzlichen präventiven Weg weiter zu beschreiten.
Erfreulicherweise gab es auch diejenigen, die sich richtig und vorbildlich verhalten haben. In immerhin etwas mehr als einem Drittel der Fälle fragten die Verkäufer/innen nach dem Alter, ließen sich den Ausweis zeigen und teilten dann aber auch sehr bestimmt mit, dass es keinen Verkauf von branntweinhaltigem Alkohol und Tabakwaren gibt. Diesen Beschäftigten wurde ein Lob ausgesprochen, obwohl sie sich doch „lediglich“ an die gesetzlichen Bestimmungen gehalten haben.
In der überwiegenden Anzahl der Fälle, in denen Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche abgegeben wurde, wurde nicht einmal nach dem Alter gefragt, geschweige denn ein Ausweis verlangt. In den nachbereitenden Gesprächen konnte nicht immer sicher geklärt werden, was die Ursache dafür war. Mangelnde Sensibilität kommt ebenso in Betracht wie schlechte Aufklärung durch Vorgesetzte, Desinteresse oder schlichtes Versäumen. Allerdings war es in keinem der beanstandeten Fälle ein Problem des Massenandrangs an der Kasse.
In anderen Fällen wurde zwar der Ausweis verlangt, offensichtlich bestand aber die Schwierigkeit auszurechen, „wann man geboren sein muss, um am heutigen Tag 18 Jahre alt zu sein“. Wie dem auch sei, derartige Rechendefizite haben zu einigen verbotswidrigen Verkäufen beigetragen.
Das Verkaufspersonal in Discountern genießt den Vorteil, beim Verkauf von Alkoholika und Tabakwaren über das Kassendisplay ausdrücklich auf die Verpflichtung zur Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen bei jedem einzelnen relevanten Artikel aufmerksam gemacht zu werden.
Nicht überall haben die Belehrungen nach dem Besuch der Testkäufer die gewünschten Früchte getragen. In einer Tankstelle im Stadtgebiet wurde gleich bei allen drei Testkaufaktionen gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen, so dass sich jetzt die Bußgeldstelle und ggf. sogar die Gewerbebehörde um die Verantwortlichen dieses Betriebes „kümmern“ muss.
Auf den Weihnachtsmärkten in Karlsruhe und in Karlsruhe-Durlach war es um die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen auch nicht besser bestellt. Allerdings lag das keineswegs am dort üblichen und erwarteten „Massenandrang“. Stattdessen hätte das Schankpersonal aufgrund des witterungsbedingten verhältnismäßig geringen Andrangs jederzeit die Möglichkeit gehabt, nach Alter und Ausweis der Testkäufer zu fragen.
Die Federführung für die Testkaufaktionen durch die Ordnungsämter hat sich bewährt. Ebenso verhält es sich mit der unterstützenden Begleitung durch die Polizei, die sich als Zeuge im Nahbereich des Testkaufs aufhält und bei unerwarteten Problemlagen ggf. eingreifen kann. Außerdem hat der polizeiliche Erfahrungsschatz bei den beteiligten Gemeindeverantwortlichen schon mehrfach zur Beseitigung von bestehenden Unsicherheiten beigetragen.
Besondere Anerkennung verdienen die hoch motivierten ehrenamtlichen Testkäufer und Testkäuferinnen, die bereits nach wenigen „Einsätzen“ schon äußerst routiniert und professionell vorgingen und - das sei erwähnt - ihre Freizeit hierfür aufwenden.
Die begleitende Medienberichterstattung wurde von allen Beteiligten als äußerst positiv empfunden und hat nicht nur zu erwünschten telefonischen und schriftlichen Rückmeldungen aus der Bevölkerung geführt sondern auch die Wahrnehmung der Bevölkerung für das Thema Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche weiter geschärft. Weitere Testkaufaktionen sind geplant.
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