Das Projekt „Sicherheitsstammtisch“ ist eine Initiative der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Zusammenarbeit mit der Akademie für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik Karlsruhe.
Wissenschaftliche Untersuchungen und kriminologische Forschungen belegen, dass Einbruchsdiebstähle keine unabwendbaren Ereignisse sind, sondern mit guter Sicherungstechnik und entsprechendem Verhalten verhindert beziehungsweise wesentlich erschwert werden können. Deshalb gilt: „Sinnvoll aufeinander abgestimmte Sicherheitseinrichtungen erhöhen den Widerstandswert des Objektes und haben abschreckende Wirkung“.
Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle Karlsruhe berät jährlich ca. 800 Einbruchsopfer und Ratsuchende im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Grundsätzlich werden dabei die Objekte vor Ort auf Schwachstellen analysiert und individuell zugeschnittene Schutzmöglichkeiten aufgezeigt. Als Umsetzungshilfe erhalten die Ratsuchenden eine schriftliche Schwachstellenanalyse sowie Adressennachweise für mechanische und elektronische Errichter und Herstellerverzeichnisse geprüfter Einbruch hemmender Produkte.
Neben diesen Objekt- und Bauplanberatungen sind die Fachberater der Polizei zur Information der Bevölkerung auch auf verschiedenen Messen, Ausstellungen und Infoständen präsent. Hinzu kommen Vortragsveranstaltungen bei Verbänden, Vereinen und anderen Interessengruppen.
Seit November 2004 vergibt die Beratungsstelle im Rahmen einer Nachschau Sicherheitsplaketten an Beratene, welche die Sicherungsempfehlungen umgesetzt haben.
Dennoch gibt es Problemfelder, die eine verbesserte Sicherung erschweren:
· In Deutschland sind Maßnahmen des Einbruchsschutzes nicht gesetzlich geregelt. Daher interessieren sich Architekten, Handwerker und Baugesellschaften eher selten für sicherungsrelevante Themen. Eine Zusammenarbeit mit der Polizei im Sinne der Einbruchsprävention gestaltet sich deshalb schwierig.
· „Neu gebaut - schon beklaut“. Geschädigte in Neubaugebieten monieren immer wieder, von Architekten und Handwerkern während der Planungs- und Bauphase keinen Hinweis auf Sicherheitstechnik erhalten zu haben. Selbst durch die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle beratene Bauherren haben große Probleme, den Einbau von geprüften Einbruch hemmenden Elementen zu realisieren. Inhalt und Aussagekraft der einschlägigen Normen und Richtlinien sind bei den Baufachleuten größtenteils unbekannt. Teilweise wird die Wirkungsweise zertifizierter und geprüfter Fenster und Türen sogar bezweifelt oder in Abrede gestellt.
· Es bestehen unterschiedliche Auffassungen zum Thema „Einbruchsschutz“. Der Stand der Technik, aktuelle Normen und gängige Täterarbeitsweisen finden zu wenig Berücksichtigung, sind unbekannt oder werden falsch interpretiert. Durch die Vergabe der Sicherheitsplakette erhält die Beratungsstelle im Rahmen der Nachschau Einblicke über Art und Umfang der getroffenen Sicherungsmaßnahmen. Sehr häufig wird das vorgeschlagene Sicherheitskonzept nicht konsequent umgesetzt. Es bleiben für den Bewohner nicht ersichtliche Schwachstellen zurück.
· Die Fachbetriebe sehen in der Regel nur ihren eigenen spezifischen Bereich. Eine ganzheitliche Beratung findet oftmals nicht statt. Dabei bringt häufig erst die Verzahnung verschiedener Sicherungstechniken optimale Sicherheit.
· Häufig ist festzustellen, dass in Einzelfällen insbesondere nachgerüstete Türen und Fenster dem Einbrecher nicht standhielten. Die Ursachen sind überwiegend nicht das brachiale Vorgehen, sondern mangelnde Befestigung oder die falsche Produktwahl. „Nur die Befestigungstechnik hält, was die Sicherungstechnik verspricht“. Diesem Leitsatz wird leider zu wenig Rechnung getragen, obwohl moderne Befestigungstechniken den Wirkungsgrad Einbruch hemmender Produkte deutlich steigern können.
· Im Rahmen einer Evaluation der Präventionsarbeit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle im Jahr 2001 haben ca. 20% der Befragten angegeben, dass die Beratungsinhalte der Handwerker nicht mit den Empfehlungen der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle im Einklang standen. Zwischenzeitlich gibt es Errichterlisten mit qualifizierten Handwerkern, die von der Polizei empfohlen werden. Auf der noch „jungen“ Liste sind bislang allerdings nur acht Fachbetriebe für den Stadt- und Landkreis eingetragen. Demzufolge sind die Wünsche von Bürgern verständlich, dass sie gerne den ihnen bekannten ortsansässigen Handwerkern den Vorzug geben würden. Doch gerade bei diesen Betrieben gibt es die häufigsten Differenzen.
Mit dem im Jahr 2007 ins Leben gerufenen regelmäßigen Sicherheitsstammtisch will die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in Kooperation mit der Akademie für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik Karlsruhe die Qualität der polizeilichen und handwerklichen Sicherheitsberatungen verbessern und Differenzen und Vorbehalte zwischen Handwerk und Polizei abbauen.
Gleichzeitig soll eine zwanglose Plattform zur Informationsgewinnung und zum Austausch von Erfahrungen geboten werden. Dadurch soll die Motivation bislang weniger Interessierter, sich mit sicherungstechnischen Themen auseinanderzusetzen, gesteigert und weitere Betriebe für die Empfehlungsliste der Polizei gewonnen werden. Mit Informations-veranstaltungen und Produkttests soll außerdem erreicht werden, dass spezifisches Wissen erweitert und vertieft wird und neue Sicherungstechniken, Regeln und Normen vermittelt werden.
Daneben sollen mit der Entwicklung einer gemeinsamen, gezielten Öffentlichkeitsarbeit (z.B. durch Einrichten eines Newsletters) der Bekanntheitsgrad der kostenlosen polizeilichen Beratung erhöht und weitere Informationsquellen zugänglich gemacht werden.
Der Sicherheitsstammtisch dient damit Fachleuten als Forum zur Informationsgewinnung und zum Erfahrungsaustausch. Gleichzeitig bündelt und vernetzt er Kompetenzen. Er wird ein- bis zweimal im Jahr durchgeführt. Bei Bedarf werden auch Sonderveranstaltungen mit externen Referenten angeboten.