Unter Federführung des Polizeipostens Karlsruhe-Akademiestraße ist im März 2005 das Projekt „Hast du Bock auf BogG - Boxen gegen Gewalt?“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe, Schul- und Sportamt, der Jugendgerichtshilfe und weiteren Kooperationspartnern angelaufen. Grundidee des Projektes ist es, mittels eines Boxtrainings Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren von der Straße zu holen und ihnen Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Dabei soll Jugendgewalt vorgebeugt und Integration und soziale Kompetenz gefördert werden.
Bereits seit längerer Zeit werden Sportveranstaltungen (Streetballturniere usw.) in Zusammenarbeit zwischen dem Polizeipräsidium Karlsruhe und dem Schul- und Sportamt der Stadt Karlsruhe angeboten. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass bestimmte Randgruppen mit diesen Sportarten nicht erreicht werden können. Deshalb war über eine Erweiterung des Sportangebotes nachzudenken.
Die Auswahl fiel schließlich auf das olympische Boxen (Amateurboxen), weil diese Sportart hohe Anforderungen an Disziplin und Kontrolle während des Trainings stellt und Zweikampfsportarten mit ihren detaillierten, auf extreme Fairness ausgerichteten Regeln sich besonders eignen, den Umgang mit Gewalt zu erlernen.
Mit dem Projekt sollen besonders Angehörige von ausländischen Minderheiten (Kinder und Jugendliche), aber auch Kinder und Jugendliche mit Integrationsproblemen (z.B. Russlanddeutsche) beiderlei Geschlechts angesprochen werden.
Als Trainer konnten Tyson Grey vom Karlsruher SC/Polizeisportverein Karlsruhe und Hasan Colak vom Polizeisportverein Karlsruhe gewonnen werden. Beide verfügen über langjährige Erfahrung in Trainingsgestaltung und Wettkampf. Darüber hinaus sind beide Angehörige von Minderheiten und können so authentisch aufzeigen, dass die Zugehörigkeit zu einer solchen nicht zwangsläufig in Frust und Gewalt umschlagen muss.

Aufwärmübungen im Rahmen des Boxtrainings (Foto: Donecker)
Den Teilnehmern wird ein Boxtraining angeboten, das durch theoretischen „Unterricht“ ergänzt wird.
Der theoretische Teil umfasst
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das Vorstellen der Polizeiarbeit und der für die Teilnehmer zuständigen Jugendsachbearbeiter
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die Darstellung des Jugendstrafverfahrens
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das Aufzeigen von Konfliktlösungsstrategien für den Umgang mit Gewalt, insbesondere an Schulen
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die Erläuterung körperlicher Auswirkungen von Gewalt gegen Personen
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die Darstellung zivilrechtlicher Folgen von Gewaltdelikten.
Die Ziele dieses theoretischen Teils sind
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die Vermittlung von Präventionsinhalten und Kenntnissen des deutschen Rechts- und Wertesystems
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der Abbau vorhandener Hemmschwellen und Vorbehalte gegenüber Polizei und Justiz, insbesondere bei Russlanddeutschen
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das Darlegen der Möglichkeiten und Grenzen polizeilichen Handelns und das Aufzeigen der Folgen von Straftaten, die durch Kinder bzw. Jugendliche begangen wurden
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das Aufzeigen von Möglichkeiten und das Schaffen von Akzeptanz gegenüber staatlichen Hilfsangeboten
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die Sensibilisierung für Mechanismen der Früherkennung von Konfliktsituationen und für Möglichkeiten einer gewaltfreien Lösung
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das Erkennen gesellschaftlicher Ächtung und persönlicher (wirtschaftlicher) Folgen von Gewaltdelikten.
Als übergeordnetes Ziel wird die Weiterführung des Sports in einem Sportverein angestrebt. Die Mitgliedschaft im Sportverein soll zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung beitragen, aber auch durch das veränderte soziale Umfeld Wege aus dem „Teufelskreis“ Gewalt ebnen.
Die Trainingsdauer beträgt je Trainingseinheit ca. 60 Minuten, im Anschluss an eine kurze Pause folgt die theoretische „Unterrichtseinheit“. Insgesamt werden je Turnus 10 Trainingseinheiten im Wochenrhythmus, lediglich unterbrochen für die Dauer der Ferien, angeboten.
Aufgrund der erzielten Resonanz werden künftig jeweils zwei Veranstaltungsreihen im Jahr (eine im Frühjahr und eine im Herbst) durchgeführt.
Die Kosten für das Projekt bewegen sich im vertretbaren Rahmen und setzen sich aus Aufwandsentschädigungen für die beiden Trainer und Beschaffung von Equipment zusammen. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln, die von den Kooperationspartnern zur Verfügung gestellt werden, aber auch aus Spendengeldern (PSV, Förderverein „Sicheres Karlsruhe e.V.).
Zwischenzeitlich konnte der langjährige Boxweltmeister Sven Ottke als Schirmherr für das Projekt gewonnen werden.
Weitere Informationen können dem aus dem Projektflyer entnommen werden.